Franziskus Gymnasium > Schulleben > Aktuelles > Details 

Details zur Veranstaltung

24.10.2018

missio-Gast am Franziskus Gymnasium

Im Zusammenhang mit dem Monat der Weltmission lädt die katholische Kirche in Deutschland alljährlich im Oktober Gäste aus einem Partnerland ein, in diesem Jahr aus Äthiopien. In die Diözese Rottenburg-Stuttgart kam Pfarrer Petros Berga. Erfreulicherweise konnte er auf seiner Reise auch die Einladung ans Franziskus Gymnasium annehmen und besuchte die Klassen 9 und 12.

Welcher Herausforderung soll sich Pfarrer Petros Berga zuerst zuwenden, welche drängende Aufgabe als erste anpacken? Der Priester koordiniert die pastoralen Aktivitäten im Erzbistum Addis Abeba – und steht damit vor einem Berg von Arbeit. Denn die Hauptstadt von Äthiopien ist Anziehungspunkt vieler Menschen auf der Suche nach Arbeit, Ausbildung und Zukunftsperspektiven. Pfarrer Petros und seine Mitarbeiter, darunter rund 50 Ehrenamtler, bearbeiten ein breites Seelsorgefeld: für Familien, Jugendliche und Kinder; für die zahlreichen Flüchtlinge aus den Nachbarländern (fast eine Million), für die Insassen in Gefängnissen und vieles mehr. Obwohl nur knapp ein Prozent der Bevölkerung der katholischen Kirche angehören, hat sie in diesen Bereichen große Tätigkeitsfelder und große Anerkennung.

Und weil in seinem Land die Kluft zwischen Arm und Reich so groß ist, koordiniert der 44-Jährige auch den kirchlichen Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden im Rahmen der katholischen Kommission Justitia et Pax. „Wir wollen zwischen Christen, Muslimen und Mitgliedern der Pfingstkirchen Verständigung herstellen. Mit Begegnungen zwischen Vertretern der verschiedenen Religionen und Volksgruppen möchten wir Vorurteile abbauen und Konflikten vorbeugen“, erläutert der Kirchenmann.

Hohe Arbeitslosigkeit lässt insbesondere junge Menschen darüber nachdenken, ihre Heimat zu verlassen: Der Zuzug aus den ländlichen Regionen in die Städte ist enorm und führt zu Verslumung und großen sozialen Problemen. Viele versuchen, Äthiopien zu verlassen und in die USA oder nach Europa auszuwandern. Das Team um Pfarrer Petros versucht sie zu überzeugen, in der Heimat und bei ihren Familien zu bleiben und kreative Einkommensmöglichkeiten zu entwickeln.

Gerne beantwortete Petros Berga die Fragen der Jugendlichen. Besonders interessant war zum Beispiel die Antwort auf die Frage, wie 80 Kulturen in einem Land friedlich zusammenleben können. Er bemühte dafür ein altes Schlagwort, das die Politiker Äthiopiens oft bemüht haben und dass mit der neuen Regierung wieder mehr Glaubwürdigkeit bekommt: „Diversity is beauty, unity is strength – Vielfalt ist Schönheit, Einheit ist Stärke.“ Beeindruckend auch seine Reaktion auf die Einschätzung von deutscher Seite, dass es ja viele Probleme in Äthiopien gäbe: „Ja, Sie haben Recht, es gibt viele Herausforderungen und Möglichkeiten.“

Bildmaterial copyright: missio, Philipp Schröder