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Details zur Veranstaltung

30.04.2019

Misereor-Gast am Franziskus Gymnasium

Jugendliche aus El Salvador fesselt die deutschen Jugendlichen mit Erzählungen aus ihrem Leben

„Früher habe ich aus Angst, was Falsches zu sagen, kaum den Mund auf bekommen. Heute rede ich liebend gerne vor Publikum.“ So begann Marcela Vides ihre lebendige Begegnung mit der Klasse 9a des Franziskus Gymnasiums. Am Ende ihres Besuchs konnten die deutschen Jugendlichen dann genauer erahnen, welche Tiefe hinter diesem kleinen Satz steckte. Marcela war in der Fastenzeit auf Einladung des Hilfswerkes MISEREOR für drei Wochen in Deutschland unterwegs

In ihrem Heimatland lebt sie mit ihrer Schwester und ihrer Mutter in einem kleinen Häuschen in einem Arbeiterviertel in einer Vorstadt von San Salvador. Ihr Vater, der in die USA ging, unterstützt die Familie nicht mehr finanziell, nachdem Marcelas Mutter anfing, Jura zu studieren und ihre älteste Tochter zum Abitur angehalten hatte. Die Mutter und die Töchter blieben oft ohne Essen, sonst hätten sie sich nicht das Busticket zu Schule und Universität leisten können.
Marcela Vides hat in dieser schwierigen Lebenssituation 2016 an dem Kurs „Mein Lebensplan“ der Caritas San Salvador teilgenommen, bei dem es um Fähigkeiten für das Leben, Beschäftigung und Unternehmertum geht. Nun ist sie neben ihrem Studium als Freiwillige im Projekt tätig. Durch die Teilnahme an „Mein Lebensplan“ fand sie die nötige Unterstützung und den Mut, um sich weiterhin für ihren Traum einzusetzen, zu studieren und sich eine Zukunftsperspektive aufzubauen, als sie zunächst keinem Studienplatz in ihrem gewünschten Fach Sozialarbeit bekam. Sie finanziert ihr Studium mit einem mobilen Nagelstudio, das sie sich von dem Startkapital für Kleinunternehmer des Projekts kaufte und mit dem sie in ihrer Nachbarschaft unterwegs ist. „Wir sind alle gleich viel wert“, ist eine ihrer wichtigsten Lektionen, die sie aus „Mein Lebensplan“ mitgenommen hat.
Sie möchte der Macho-Kultur und der Macht der gewalttätigen Jugendbanden in ihrer Heimat etwas entgegensetzen. Weil ihr das Projekt so viel Motivation und Unterstützung gegeben hat, will sie dasselbe anderen Jugendlichen weitergeben. Dabei hat sie ganz besondere Erfahrungen gemacht, wie mit einem jungen Mädchen, das sich beim Abschluss bei ihr bedankte und sagte: „Jetzt weiß ich, dass ich als Mensch etwas wert bin, und ich werde nicht mehr glauben, wenn man mir sagt, dass ich Abschaum sei“.
Für Marcela Vides ist es sehr erfüllend zu sehen, dass die Jugendlichen ihre Ziele erreichen, wie z. B. eine technische Ausbildung zu machen, eine Anstellung zu finden oder unternehmerisch tätig zu werden. Darin liegt ihre Motivation für die Unterstützung des Projekts, denn sie glaubt an die salvadorianische Jugend und an deren Fähigkeit, weiterzukommen, auch wenn die Gesellschaft die Jugendlichen meist als kriminell abstempelt.

Die Klasse 9a konnte sich davon überzeugen, dass Marcela mit ihren Talenten im Bereich der Sozialarbeit sehr gut aufgehoben ist,  als sie mit viel Persönlichkeit und Enthusiasmus Elemente ihres Ausbildungskurses durchführte. In der abschließenden Fragerunde wollten die Jugendlichen vor allem wissen, wie die Gefahr durch die Jugendbanden, „pandillas“ oder „maras“ genannt, konkret aussieht.
Ziemlich bedrückend waren die Antworten von Marcela, dass man seinen Leben in Gefahr bringt, sobald man sich im falschen Stadtviertel bewegt, sobald man am falschen Ort Nike- oder Adidasturnschuhe trägt oder den falschen Haarschnitt hat. Nicht überraschend war es entsprechend, dass sich für viele Jugendliche nur der Ausweg Emigration in die USA ergibt. Auch für Marcela sind die Erfahrungen in Deutschland ein Traum: „Mein Gott, warum bin ich nicht hier geboren. Aber ich will es positiv sehen: daraus lernen und mein Land voranbringen.“