Mutlangen. „La paz – der Friede – la pau“ lautete das Thema des Spanischaustauschs, der die Gruppe des Franziskus Gymnasiums vom 14. bis 23. Oktober 2026 nach Katalonien führte. Das Motto griff die drei Sprachen des Austauschs auf: Spanisch, Deutsch und Katalanisch. Das Programm verband Begegnungen an den Partnerschulen in Sant Cugat und Sant Sadurní d’Anoia, die Mutlangen bereits im Frühjahr besucht hatten, mit dem Alltag in den Gastfamilien und Ausflügen auf den Montserrat, nach Sitges und zweimal nach Barcelona.
Bereits die Hinfahrt hatte das Thema im Blick. Vor der beeindruckenden nächtlichen Kulisse des Papstpalastes in Avignon stellte sich die Frage, wie Macht und Konlikte wirken. Dass sich mit diesem Palast die Situation von mehreren gleichzeitigen Päpsten verband, machte den Ort besonders. Der Vergleich mit dem Konzil von Konstanz, das diesen Konflikt löste, bot den Transfer zur Aktualität: Wie müssen die Regeln einer Entscheidung aussehen, damit die Beteiligten das Ergebnis akzeptieren können?
In Katalonien bekam das Thema eine persönliche Seite. Bei den Begegnungen in den Schulen und in den Gastfamilien konnten die Jugendlichen Spanisch im Alltag anwenden. Unterschiedliche Gewohnheiten und Interessen brachten Interessensunterschiede hervor, die unter einen Hut gebracht werden mussten. In Sitges sah das Programm eine zweisprachige Stadtrallye und kooperative Spiele am Strand vor. Dort ging es um die praktische Frage, wie man sich in einer Gruppe verständigt und gemeinsam eine Aufgabe löst.
Auf dem Montserrat verhinderten starke Regenfälle die Besteigung des Sant Jeroni. Dafür ermöglichte ein kurzfristig organisierter Besuch im Kloster der Benediktinerinnen die Auseinandersetzung mit der Frage, wie man seinen persönlichen Frieden finden kann. Denn die Glaubens- und Lebensgeschichte der Referentin Schwester Montserrat war für die Jugendlichen besonders interessant, weil sie sich in Klasse 10 aktuell intensiv mit den Fragen der Berufsorientierung auseinandersetzen.
In Barcelona begleitete die Erinnerung an historische Konflikte das über ein Stadtspiel angelegte Eintauchen in die Stadt: Die ewige Flamme neben der Kirche Santa María del Mar zur Erinnerung an die Gefallenen der Belagerung Barcelonas von 1714 oder die Spuren der Bombardierungen im spanischen Bürgerkrieg an der Kirche Felipe Neri wurden verglichen mit der Erinnerung an die Toten der Weltkriege auf dem Mutlanger Friedhof und mit den Einschusslöchern an der Mutlanger Kirche von den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs.
Die Heimfahrt über Genf ermöglichte einen sehr beeindruckenden Besuch bei den Vereinten Nationen. Schwermütig entdeckte man, dass sich direkt gegenüber der Friedensinstitution die Ständige Vertretung Russlands befindet. Damit führte die Friedensfrage von den Begegnungen in den Gastfamilien über historische Zusammenhänge bis hin zur aktuellen internationalen Zusammenarbeit.
Der Spanischaustausch des Franziskus Gymnasiums Mutlangen wurde im Rahmen des Programms Erasmus+ von der Europäischen Union kofinanziert. Innerhalb von 18 Monaten konnten zwei Jahrgänge daran teilnehmen. Die Spurensuche in beiden Ländern brachte auch die Jugendlichen zum Nachdenken. Niemand hätte gedacht, dass aus dem Ort der Partnerschule politisch Verfolgte in deutschen Konzentrationslagern den Tod fanden, sodass sich Stolpersteine nicht nur in Gmünd, sondern auch auf der Plaça Nova in Sant Sadurní finden. Besonders beeindruckend bei den Austauschwochen in Deutschland waren für die Gäste die Erlebnisse von Zeitzeugen beim Besuch der Mutlanger Heide und des Cold War Museums im Unipark.





