Gleich zu Beginn hieß der pädagogische Leiter des Gymnasiums, Bernd Krauß, die Gäste willkommen. Er rahmte den Abend mit einem Gedanken aus der aktuellen Bildungsdebatte: „Vieles von dem, was als lernwirksam jenseits von Noten beschrieben wird, nimmt in der Portfolioarbeit Gestalt an: Kompetenzerleben, Umgang mit Fehlern, richtige Momente für Rückmeldungen, Nachdenken über das eigene Lernen.“ Er verwies auf die Hattie-Studie, die die Wirksamkeit von Selbstregulation belegt: „Weit im Ranking vorne ist die Selbstregulation, also das Nachdenken über und Steuern des eigenen Lernens. Wo stehe ich? Was gelingt mir? Was fällt mir noch schwer? Fragen, die in der Zusammenstellung des Portfolios wichtig sind.“
Passend dazu zitierte er aus dem Buch „Schule ohne Noten“ (2021), das die Leitidee des Abends auf den Punkt bringt: „Lernen ist nicht auf Bewertungen angewiesen. Wenn also Unterricht gute Umgebungen für Lernprozesse schaffen soll, dann muss er sich auf das beschränken, was vor Abgabe und Klausur liegt; auf all das, was Lernenden hilft, ohne dass sie bewertet werden. Auf den Punkt gebracht: Unterricht wird ohne Prüfungen und Noten besser.“
Mona Küblbeck, Beauftragte für Portfolioarbeit und alternative Leistungswahrnehmung an der Schule, erläuterte die pädagogische Idee hinter dem Format: „Bei der Portfolio-Arbeit ist uns wichtig: Wir wollen Lernprozesse wahrnehmen und würdigen. Wir wollen, ohne auf Ergebnisse fixiert zu sein, die Schülerinnen und Schüler dazu bringen, ihre Lernwege selbst zu sehen und darüber sprechen zu können.“ Lernen sei mehr als Vorbereitung auf Prüfungen: „Im Unterricht passiert jeden Tag unendlich viel. Es wird geübt, verstanden, erkannt, gefragt, diskutiert, vermutet, überlegt und gewusst. Immer dann, wenn verstanden, erkannt, diskutiert, überlegt oder gewusst wird, sind Lernprozesse in Gang gekommen.“
Auch die Schülerinnen und Schüler fanden dafür treffende Worte. Ein Satz, den Küblbeck zitierte, blieb vielen im Gedächtnis: „Ein Lernprozess ist, wenn ich etwas erst nicht so gut konnte, dann aber irgendwann schon.“ Ein anderes Kind formulierte es so: „Ein Lernprozess ist, wenn ich einige Zeit mit einer Sache verbracht habe, und dabei ist dieses Produkt entstanden.“
Gut vorbereitete Schülerinnen und Schüler öffneten sodann jedem Interessierten ihre Portfolios und präsentierten voller Stolz in zwei Runden die verschiedensten Ausarbeitungen des vergangenen Schulhalbjahres. Bereits im Auswahlprozess von Fächern, Lernausschnitten, Produkten und Prüfungen hatten die Gymnasiasten gemerkt, dass sie selbst gefragt sind. Und dann beim Portfolio-Markt hörte ihnen jemand zu, während sie erklärten, was sie gelernt hatten. Die Schule stellte Rückmeldebögen bereit, auf denen Eltern Wahrnehmungen und einen „Tipp für dich!“ notieren konnten, wodurch vielgestaltige Portfolio-Gespräche zwischen Schülern und Gästen entstanden.






