Suchtprävention ist keine Aufgabe, die eine einzige Person oder Institution allein stemmen kann – sie gelingt am besten dort, wo verschiedene Perspektiven zusammenkommen. Diesen Ansatz hat Lars Eigenbrodt konsequent umgesetzt, indem er für den Workshop gezielt Menschen eingeladen hat, die das Thema aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln kennen. Schulsozialarbeit, Polizei und Selbsthilfe stehen normalerweise für sich – an diesem Tag haben sie gemeinsam mit den Siebtkässlerinnen und Siebtkässlern gesprochen, zugehört und diskutiert. Das Ergebnis war ein Workshop, der weit mehr war als ein Vortrag: ein echter Austausch auf Augenhöhe.
Sascha Gold, Präventionsbeauftragter der Kriminalpolizei Aalen, brachte eine Dimension ins Gespräch, die Jugendliche oft überrascht: die rechtliche und gesellschaftliche Seite von Sucht und Abhängigkeit. Er schilderte anschaulich, wie schnell aus neugierigem Ausprobieren eine regelmäßige Gewohnheit werden kann, welche Konsequenzen der Umgang mit illegalen Substanzen haben kann und warum es keine Kleinigkeit ist, wenn Gleichaltrige mit Drogen in Berührung kommen. Dabei verzichtete er auf ermahnende Belehrungen – stattdessen stellte er Fragen, ließ die Schülerinnen und Schüler nachdenken und schuf so einen Raum, in dem echte Auseinandersetzung möglich war. Die Jugendlichen hörten aufmerksam zu – und stellten erstaunlich offene Fragen.
Den vielleicht eindrücklichsten Teil des Workshops gestaltete Herr Kuhn, Mitglied einer regionalen Selbsthilfegruppe und selbst Betroffener. Er sprach offen über seinen eigenen Weg in die Abhängigkeit und wieder heraus – ohne Drama, ohne Selbstmitleid, aber mit einer Ehrlichkeit, die im Raum spürbar war. Was für Schülerinnen und Schüler dieser Altersgruppe oft schwer zu greifen ist – dass Sucht wirklich jeden treffen kann, dass sie schleichend beginnt und dass der Weg zurück lang und schwer ist –, wurde durch seine persönliche Geschichte plötzlich konkret. Sein Beitrag war kein abschreckendes Beispiel, sondern ein menschliches: Ich war da. Ich kenne das. Und ich bin heute hier, um euch davon zu erzählen.
Der Workshop beschränkte sich nicht auf Informationsvermittlung. In verschiedenen interaktiven Phasen hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Szenarien zu diskutieren, Fragen anonym einzureichen und gemeinsam über Grenzen, Druck und Verantwortung nachzudenken. Besonders das Thema sozialer Druck unter Gleichaltrigen – das sogenannte Peer-Pressure-Phänomen – wurde intensiv beleuchtet. Wie sage ich Nein, ohne das Gesicht zu verlieren? Was tue ich, wenn jemand aus meinem Freundeskreis ein Problem hat? Solche Fragen haben keine einfachen Antworten – aber der Workshop hat Wege geöffnet, sie auszusprechen und gemeinsam zu durchdenken.






